Carole & Tuesday (2019)

キャロル&チューズデイ

Tedesco Rezensionen – Carole und Tuesday

Questo topic contiene sia recensioni brevi che più lunghe sul Anime «Carole & Tuesday» e non è assolutamente il posto giusto per discussioni generali! Ogni post deve essere una recensione autonoma che hai scritto tu stesso. Ogni recensione dovrebbe coprire alcuni aspetti fondamentali: trama, personaggi e avere una conclusione personale. Sentiti libero di commentare le recensioni esistenti usando la funzione di commento.
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Avatar: ChroloGiramondo di Biscotti#1
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  • Musik
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Carole & Tuesday war eine absolute Überraschung, soviel kann ich vorab sagen. Eine Freundin meinte "Lass den mal schauen" und ich dachte mir "Okay, lange keinen Anime gesehen, Zeichenstil sieht toll aus, why not". Dass wir die erste Hälfte tatsächlich am Stück schauen und beide derart begeistert sein würden, war aber nicht absehbar.
Ich bin normalerweise eher der Manga-Typ, da es relativ wenige Anime gibt, die es schaffen, mich wirklich zu beeindrucken bzw. zu unterhalten. Carole & Tuesday hingegen vereint all die Dinge, die ich bei einem tollen Anime sehen möchte. Dass er hier auf Rang #892 der Animes steht, ist für mich ein richtiger Schock (bedenkt man, was für Serien in den Top 50 sind ist wohl wie bei Musik-Charts)


Zunächst ist C&T ein Musik-Anime. In dem Bereich gibt es schon recht viele (z. B. BECK, Nana, Fullmoon wo Sagashite, Fuuka, Detroit Metal City, K-On!, Nodame Cantabile, Given, ...), die größtenteils in eine ähnliche Kerbe schlagen - den Beginn, Aufbau, die ersten Konzerten und Krisen einer Band. Grundsätzlich ein Thema mit viiiieeel Potential, da die musikalische Untermalung (generell ein Punkt, weshalb viele Leute Anime Manga vorziehen) stärker in den Fokus rückt und gerade eine Band erst durch das Zusammenspiel verschiedener Charaktere funktioniert (in Fällen wie Fullmoon gibt es jetzt keine Band, aber dafür Gegenspieler; andere Musiker etc). Im Grunde verhalten sie sich ähnlich wie Sport-; Spiel- und Kampf-Serien, da die Competition, sowie das Wachstum und die Ausformung von Talent im Vordergrund stehen. Und sowas schauen wir uns doch immer wieder gerne an, auch in der 100. Form ;)

Wieso ist Carole & Tuesday nun so outstanding?
Ich könnte detaillierter bis zu 50 Gründe nennen, aber um des Platzes Willen fasse ich es knapp zusammen:

- grafisch ist C&T absolut brilliant. Jeder Moment tut gut, vor allem wenn die Stadt, das Wasser, Sonnenuntergang und sonstige Umgebungen gezeigt werden. In diesem Fall könnte ein Manga tatsächlich nicht im Ansatz mithalten, völlig unmöglich.
- ebenso gefällt mir das Design der Charaktere sehr gut, von den Gesichtern über die Frisuren bishin zu den Kleidungsstilen.
- fast am wichtigsten ist der Humor. C&T ist absolut up to Date, wie ich es noch in keiner Serie gesehen habe. Unglaublich viele Anleihen aus dem Real Life ~ vor allem die ganzen Parodien von DSDS, sowie die Folge mit dem (Director-KI-)Roboter sind absolut herrlich!
- die Serie kommt im ersten Teil ohne großes Drama zwischen den beiden Protagonistinnen aus. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie glücklich ich darüber bin, weil er sich dadurch direkt von allen anderen abgrenzt (DMC bei Vergleichen generell außen vor gelassen) und einfach entspannter wirkt.
- musiktechnisch ist der Anime Top Notch. Verschiedenste Genres, aber alles auf einem technisch hohen Level, sehr authentisch und passend. Sicher muss man nicht jeden einzelnen Song mögen, aber jeder einzelne Song passt blendend in das Gesamtkonzept. Hier kann keine andere der Musikserien mithalten.
- viele Charaktere sind nicht nur liebevoll gestaltet, sondern wirken sehr individuell und unterhalten oft auf skurrile Weise, wie z. B. Ertegun oder OG Bulldog. Wo in vielen anderen Anime nur Stereotypen auftreten, habe ich hier bei jedem Charakter ein gutes Gefühl gehabt. Es gibt auch auffällig viele dunkelhäutige Charaktere, das gefällt mir sehr!

An sich wirkt Carole & Tuesday auf mich bisher wie ein langer Film von 4 Stunden, den ich noch oft wieder schauen werde, schon wegen des Eye Candy. Aber ich bin ebenso sehr gespannt auf den zweiten Teil (Folgen 13-24, wenn ich richtig informiert bin).
Reintheoretisch könnte man (im Gegensatz zu den Kaugummi-Anime à la Dragon Ball, Naruto oder One Piece) die erste Hälfte tatsächlich auf zwei bis vier Folgen mehr strecken, aber kurzweilig gefällt mir im Zweifelsfalle besser, das ist schon okay so^^
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Avatar: SlaughtertripDio di Biscotti#2
*mit tiefer und dramatischer Stimme spricht*

„Eine Welt, in der die Musikindustrie von Liedern, welche von künstlicher Intelligenz erschaffen werden, dominiert wird. Eine Welt, die so abgestumpft ist, dass die Gefühlsebene der Menschheit nicht mehr erreicht werden kann. Zwei junge Frauen, einzig und alleine mit einer Akustikgitarre und einem Keyboard ausgestattet, nehmen den Kampf gegen diese kalte Welt auf und stellen sich der Herausforderung, den Menschen mit ihrer selbstgeschriebenen Musik Gänsehaut auf den Körper, ein Lächeln auf die Lippen und Tränen in die Augen zu zaubern.“

So oder so ähnlich könnte ich mir einen Trailer vorstellen, wäre dieser Anime ein Hollywood-Blockbuster. Läuft der Anime aber genau so ab, wie man es sich anhand dieser kurzen Beschreibung erahnen lassen kann? Treten Carole und Tuesday mit ihren Songs vor der Bevölkerung des Mars auf und wird diese, mit Tränen in den Augen aufgrund der Schönheit der Lieder, bekehrt? So berechenbar ist dieser Anime nun doch nicht…

Jimmy Page – Carole’s Theme oder: Musik als grundlegendes Thema
Jeder Connaisseur dieser akustischen Kunst findet an allen Ecken und Enden Bezüge zur Musikgeschichte und dem Musikbusiness. Es wird so weit über den Tellerrand geblickt, dass man schon fast durchs Fenster des gegenüberliegenden Restaurants sehen kann. Pop? Rock? Metal? Rap? Klassik? Folk? Techno? Die Geschichte von Newcomern, die aus dem Nichts kommen und sich an der Spitze etablieren wollen? Die Geschichte eines Superstars, der von eben jener Spitze in den Abgrund fällt? Auftritte auf der Straße? Auftritte bei einer Award-Show? Hier ist für jeden etwas dabei. Was aber einerseits ein Vorteil ist, kann andererseits aber auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Wenn ich diesen Anime z.B. mit Beck vergleiche, zieht er den Kürzeren. Das liegt unter anderem daran, dass man sich dort ganz bescheiden auf das Alltagsleben einer kleinen, neu gegründeten Rockband konzentriert. Als Fan von dieser Musikrichtung fühle ich mich dort pudelwohl. Bei Carole & Tuesday kann es passieren, dass man gewissen Folgen, Musikern oder Liedern nichts abgewinnen kann. So unterhaltsam z.B. die Folgen der Castingshow „Mars‘ Brightest“ auch waren, so deutlich wurde mir dabei bewusst, dass mir Folgen, welche einen Underground-Flair versprühen, doch besser gefallen haben als welche mit einem Glitzer-Flair.

Wer schon einmal Musikwebsites besucht oder in Musikzeitschriften geblättert hat, dem werden vielleicht ein paar Namen ins Auge stechen. Rolling Stone, The Guardian, Pitchfork Media… alle diese weltbekannten Magazine und Internetportale sind auf ein Interview mit Carole und Tuesday scharf. Und wer denkt beim Videodreh aus der vierten Folge nicht an Thriller von Michael Jackson? Wer sich für The Beatles interessiert, dem wird eine kurze Anekdote zu Brian Epstein präsentiert. Andere Reminiszenzen der Musikgeschichte findet man nicht direkt im Anime, sondern leider nur bei den Charakterbeschreibungen auf der Homepage des Anime, wie z.B. die Lieblingskünstler der Protagonisten.

Ein besonderes Schmankerl für Musikfans: In jeder Folge wird zumindest ein neues Lied gespielt.

The Buzzcocks – Real World oder: Authentizität
Diese beginnt schon bei der Einblendung der Titel der einzelnen Episoden, welche jeweils den Namen eines berühmten Liedes tragen. In der Mitte jeder Folge gibt es kurze Sequenzen, die die erste und zweite Hälfte der Episode voneinander trennen. Dort tauchen originalgetreue Abbildungen der Schallplatten, die namensgebend für jede Folge sind, mit allem Drum und Dran (Interpret, Titel, Written by…) auf. Die Ratefüchse unter euch können ja versuchen, den Interpreten des Liedes herauszufinden, bis die Lösung auf dem Bildschirm präsentiert wird. Fast vorprogrammiert werden ein erleuchtendes „Ahhh, von dem/denen ist das Lied“ oder ein mit den Fingern schnippendes „Hmpf, es lag mir auf der Zunge“ sein. Hier eine kleine Kostprobe:

Der Gesang wird nicht einfach von irgendeinem schwarzen, birnenförmigen Etwas aufgenommen, sondern von einem stilechten Neumann-Mikrofon:

Genauso wenig spielt Tuesday auf irgendeiner 08/15-Gitarre, sondern auf einer bis ins Detail nachgezeichneten Gibson Hummingbird. Die Bilder wirken teilweise so echt, dass ich selbst Probleme hatte, auf den ersten Blick zu erkennen, welches davon aus dem Anime stammt (PS: das obere):
TuesdaySimmonsGibson-GitarreHummingbird4.jpg

So authentisch manches dargestellt wird, so enttäuscht war ich über die Darbietungen der „Live-Auftritte“. Aufgrund der Integrierung von in der realen Welt existierenden Instrumenten, Geräten, Musikern und Mitarbeitern der Musikbranche finde ich es umso bedauerlicher, dass der Gesang mancher Live-Auftritte so klingt, als hätte jeder an diesem Anime beteiligte Mitarbeiter die Aufnahmen mehrfach durch Auto-Tune gejagt. Die Lieder von Carole und Tuesday bleiben – wohl auch dank dem folkigen Stil – glücklicherweise davon verschont. Gehen die Lieder aber in Richtung modernem Pop/Dance/Techno, hört sich vieles davon zu gekünstelt an. Ein bisschen mehr Vertrauen darin, dass den Zusehern richtiger Live-Gesang auch gefallen hätte könnte, hätte zudem – passend zum Thema „selbstgemachte Musik vs. von AI gemachte Musik" – ein Zeichen setzen können.

Gioeli – Who I Am oder: Charaktere
Nicht umsonst ist der Anime nach seinen beiden Protagonisten benannt. Diese tragen dieses Werk wie zwei unnachgiebige Stützpfeiler. Während beide auf ihre ganz eigene Art und Weise sympathisch sind, ist Carole der extrovertierte, coole und schlagfertige Gegenpart zur lieben und etwas schüchternen Tuesday, die – wenn man sie erzürnt – sich aus einer Kurzschlusshandlung heraus aber auch zur Wehr setzen kann.

Nicht dass die anderen Charaktere schlecht wären. Bei manchen hatte ich nur das Gefühl, dass man mehr daraus hätte machen können. Angela kommt mir ihrer Ausstrahlung, Präsenz, Relevanz und Hintergrundgeschichte noch am ehesten an die alle anderen überstrahlenden Protagonisten heran. Gus ist ein weiterer Sympathieträger, dessen volles Potential vielleicht nicht zur Gänze genutzt wurde. Seine Lieblingsband ist Motörhead und seine Band wurde dafür kritisiert, diese zu offensichtlich zu kritisieren. Dazu hätte ich liebend gerne einen kleinen Rückblick gesehen, anstatt nur ein Bild von damals, als er mit seinen Sticks vor dem Drumkit saß. Das klingt jetzt vielleicht wie eine negative Kritik, dabei ist es etwas gutes, wenn man Gefallen an einem Charakter gefunden hat und mehr von ihm erfahren will. Seine Beziehung zu Flora wurde hingegen gut umgesetzt. Dahlia wirkte mit ihrem ungewöhnlichen Charakterdesign anfangs sehr interessant, konnte in der Geschichte aber erst ganz zum Schluss Akzente setzen. Tao ist ein emotionsloses Genie, bei dem ich hin- und herschwanke. Seine Emotionslosigkeit führte dazu, dass er an vielen Stellen leider etwas langweilig wirkte. Seine Kollaboration mit Angela war dafür eine der interessantesten Nebengeschichten des Anime. Bei anderen Charakteren wiederum frage ich mich, weshalb sie überhaupt einen Auftritt hatten. Das IT-Genie Aaron? Mehr kann ich über ihn leider nicht sagen.

Was die Künstler selbst betrifft, schafft es der Anime, Musiker aus allen Genres zu präsentieren, die jedoch nie 1:1-Kopien von realen Künstlern sind. Jeder hat das gewisse Etwas, das ihm von typischen Vertretern seines Genres abhebt. Sogar so sehr, dass ich mich gefragt habe, wie erfolgreich diese Musiker wären, würden sie in der echten Welt existieren. Ein rappender Opernsänger? Warum nicht?

The Cribs – Moving Pictures oder: Zeichenstil und Animation
Anhand der Screenshots kann man bereits erkennen, dass der Anime in visueller Hinsicht keinesfalls generisch wirken möchte. Man legte darauf Wert, die Charaktere so realistisch wie möglich zu zeichnen. Selbst wenn in komödiantischen Szenen Grimassen geschnitten wurden, ging man nicht den Weg des Super-Deformed-Stils, sondern bewegte sich weiterhin im Rahmen realistischer Gesichtsausdrücke.

Eine Besonderheit hat man sich für Pyotr – den „Justin Bieber“ dieses Anime – ausgedacht. Für seine Tanzeinlagen wurde das Prinzip der Rotoskopie angewendet, wodurch seine vielen und schnellen Bewegungen noch flüssiger dargestellt werden konnten. Ein Beispiel dafür kann man sich hier ansehen.

Während Pyotr bei seiner Performance in der Talentshow „Mars‘ Brightest“ dem Zuseher so einiges bietet, lässt die Animation des Publikums leider zu wünschen übrig. Vom Viertelfinale bis zum Finale wird mehrmals ein und dasselbe Standbild eingeblendet. Das fällt besonders dann auf, wenn die Gesichtsausdrücke des Publikums nicht mehr zur Darbietung der Künstler passen.

Jesu – Why Are We Not Perfect? oder: Schwächen
Probleme bereiten mir jedoch ein paar grundlegende Dinge. Die Prämisse und das Setting sind zwar ambitioniert, aber unglaubwürdig. Die Geschichte spielt nur 50 Jahre in der Zukunft. Diese Zeitspanne ist deutlich zu kurz, um glaubwürdig darzustellen, dass sich die Attitüde der Menschheit zu Musik so sehr verändert hat, dass sowohl die Protagonistinnen die Einzigen sind, die ihre Leidenschaft mit eigenhändig geschriebenen Liedern zum Ausdruck bringen wollen, als auch die Konsumenten sich damit zufrieden geben, ausnahmslos von künstlicher Intelligenz kreierte Musik serviert zu bekommen. Es fehlt einfach ein bestimmtes Ereignis, das die Menschheit zu solch einer ambitions- und passionslosen Mentalität gegenüber dieser emotional berührenden Kunst getrieben hat.

Der Anime hätte zudem gleich gut auf der Erde spielen können. Das Mars-Setting hat keinerlei relevante Auswirkungen auf irgendetwas. Nur dass die unbeantwortete Frage in den Raum geworfen wird, wie man es innerhalb von 50 Jahren geschafft hat, diesen Planeten für Menschen nicht nur bewohnbar zu machen, sondern auch Lebensbedingungen herzustellen, die denen auf der Erde in nichts nachstehen.
Das Mars-Setting wurde auch dazu benutzt, um manche Charaktere – z.B. Dahlia und Desmond – an der sogenannten „Marsianischen Androgynität“ leiden zu lassen, wodurch man wegen des Marsklimas mit der Zeit immer mehr Merkmale des anderen Geschlechts aufweist. Wirkte dies zuerst wie eine vielversprechende Gesellschaftskritik und ein Schrei nach Toleranz, sucht man als Zuseher vergeblich sowohl Konfliktpotential – es gibt nämlich keine Leute, die eine Phobie gegen androgyne Menschen besitzen – als auch nennenswerte Momente, welche Bezug zur Androgynität der Charaktere nehmen.

Diesen Punkt packe ich lieber in einen Spoiler, da er die Story selbst anspricht:
Genauso wenig Konfliktpotential gibt es im „Kampf“ handgemachter Musik vs. von AI gemachter Musik. Dieser existiert nämlich nicht. Der Anime führt einen von Beginn an auf die falsche Fährte. Treten Carole und Tuesday in einer Talkshow auf und werden diese vom Moderator als Musiker beschrieben, die ihre Musik selbst schreiben, gibt es vom Publikum einen erstaunten Blick und ein kurzes „Ahhh“ oder „Ohhh“. Das war es dann aber auch schon. Wer also denkt oder hofft, die beiden schaffen es, die Menschen mit ihren Liedern auf ihre Seite zu bringen und infolgedessen das System der von AI komponierter Musik zusammenbricht, könnte hier enttäuscht werden.

By the way, ein kleines Easter-Egg gibt es für Fans von Cowboy Bebop. In beiden Animes gibt es „Woolong“ als Währung, was wahrscheinlich daran liegt, dass Watanabe Shin'ichirō als Direktor an beiden Animes mitgearbeitet hat.

Zum Schluss möchte ich dem Anime noch ein Lob dafür aussprechen, dass er sich keinerlei Klischees, Tropen oder Trends bedient. Ich würde gerne mehrere Produktionen sehen, die den Mut haben, aus diesem Korsett auszubrechen und etwas wirklich Neues erschaffen.
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Avatar: AsaneRaccoglitore di Biscotti#3
Zwei Mädchen laufen sich übern Weg. Die eine reich und aus angesehener Familie, schüchtern und etwas naiv, die andere das Girl aus der Gosse, arm und schon mit vielen Wassern gewaschen, das sich elternlos durchs Leben schlagen muss und wahrhaftig nicht mit der eigenen Meinung hinterm Berg hält.

Beide eint die Liebe zur Musik, beide träumen davon, eigene Songs zu singen, und so kommt es, daß die von zu Hause aus ihrem goldenen Käfig ausgebüxte Tuesday bei der taffen Carole unterkommt, wo sie als Gegenleistung erstmal deren Bude in Schuss halten darf.

Ab da geht alles seinen mehr oder weniger gewohnten Ganbatte-Gang. Sie bleiben bei einem ausrangierten und selbsternannten Manager hängen, machen erste Erfahrungen, nehmen an einem Talentwettbewerb teil, müssen leichte Rückschläge verkraften und wachsen an ihren Aufgaben. Bis alles in ein unfassbar kitschiges Ende mündet.

Das ist aber nicht schlimm, denn die ganze Show verkraftet das. Nicht nur das, diese Show ist in weiten Teilen darauf aufgebaut, das ganze Musikbusiness in all seinen lustigen und bizarren Ausformungen gehörig auf die Schippe zu nehmen. Nicht auf Slapstick-Ebene oder ähnlich Abgedroschenem, sondern subtil, mit klugen Einstreuungen und überhaupt so etlichen Referenzen, vor allem kultureller Art.

Eine anständige Gegenspielerin gibt es natürlich auch (hier im 70er-Jahre-Retro-Ringelshirt), aber die räumlich Nähe zeigt schon, daß sie im Grunde gar nicht so widerspenstig-antagonistisch ist, wie sie mehr als die halbe Serie lang sich geben möchte. Weil das Anime ist, hat natürlich bald jeder seine tragische Hintergrundgeschichte, und jeder geht anders damit um, was dann mal in Depressionen mündet, mal im Suff und manchmal auch in psychopathischen Attacken. Das ganz große Drama bleibt dennoch aus. Tränendrüsen werden höchst selten geschunden, und wenn, dann auch hier auf eine subtile Weise, die sich vom Schüren großer Emotionen eher entfernt als diese befeuert.

Die Handlung hat man auf den Mars verlegt, der ja spätestens seit »Aria« sich zu einer prächtig habitablen Welt gemausert hat, die (dem Ausblick zur Erde zufolge) bestenfalls eine halbe Million Kilometer hinterm Mond liegt und wo man besser nicht fragt, wie das bewerkstelligt worden sein soll. Und auch hier hat man, wohl um den Identitäts- und Wohlfühlfaktor zu steigern, einiges mit rübergerettet, was architektonisch zu einer recht schrägen Mischung aus dem Brooklyn der 1920er Jahre und dem bekannten Videogame-Futurismus führt. Natürlich ist der Rote Planet auch zu einigen anderen Referenzen und Zitaten gut, nicht nur den Favelas der urbanen Außenbezirke, sondern auch zu solchen Indianerdörfern im sandigen Nirgenwo.

Generell wird der Satire-Level recht hoch gehalten. Nicht nur im Musikbetrieb, auch im politischen Geschäft. Denn bald wird Tuesday von ihrer familiären Bande eingeholt, wird entführt und zurückentführt, droht immer wieder zwischen die Räder von standesgemäßer Loyalität und persönlicher Freiheit zu kommen. Was allerdings nie als schockierendes Drama inszienert wird, sondern immer aus einer leicht distanzierten, fast heiteren Perspektive – auf eine Art, die im Zweifelsfall die Lächerlichkeit mancher bizarren Situation offenlegt.

Vielleicht deswegen mutet diese Marswelt ja auch an wie eine Projektion der derzeitigen USA mit all ihrer politischen Bigotterie und dem Appell an die niederen Instinkte von MAGA-Anhängern. So gesehen könnte die Verlagerung der Handlung auf einen sterbenden Planeten auch als Abgesang auf die amerikanische Demokratie gelesen werden.

Der Anime geht zwar über 24 Episoden, doch das merkt man ihm nicht an. Die Geschichte an sich hätte man wohl auch als 1-cour unterbringen können, aber man leistet sich erfreulicherweise den Luxus, eine gemächlichere Gangart anzuschlagen, ohne daß der Eindruck aufkäme, man wollte die Geschichte strecken oder Filler einbauen. Mit kam es jedenfalls vor, als seien die Folgen immer erstaunlich schnell vorübergegangen. Was generell ein gutes Zeichen ist. Außerdem hat man darauf verzichtet, dem Zuschauer irgendwelche messages aufs Auge zu drücken. Aber gut, in künstlerischen Gefilden geht es ja allgemein eh etwas schräger zu als im profanen Leben. Nur bei den Songs hat man sich an den aktuellen Bedürfnissen und der aktuellen Aufmerksamkeitsspanne orientiert: keiner länger als zwei Minuten. Ein netter Zug ist es auch, das Lebensgefühl jeder Folge in real existierende Songtitel zu packen. Ein Konzept, das dem Animefreund auch von »Kamichu« her bekannt vorkommen dürfte.



Nachtrag und Danksagung:
Es sollte nicht überraschen, daß da, wo Netflix draufsteht, auch Netflix drin ist. Daher werden hier wichtige und zentrale Dinge thematisiert, die bislang völlig der Wahrnehmung eines indifferenten Publikums entgangen sein könnten. Wie unschwer zu erkennen (und dank des 16:9-Bildformats adäquat in Szene gesetzt), ist Body Positivity ebenso ein großes Anliegen wie ein repräsentativer Cast an non-white gelesenen POCs, aber auch an nonbinären Genderzuschreibungen, deren Begründung allerdings (siehe Episode 15) einigermaßen an den Haaren herbeigezogen ist. Aber was soll's, man kann nicht alles haben. Bei diesem Maß an Virtue Signalling mag es verblüffen, daß auch ein Fall von Jewfacing zu registrieren ist (Black_Knight unter seinem Hoodie), ausgleichshalber jedoch dürfen auch die cis-hetero-normativen alten, weißen Männer ihre White Supremacy ausleben, und zwar in Gestalt der ewiggestrigen Bösewichte, denen hier ihr patriarchalisch motiviertes Handwerk gelegt werden muss. Daher: Danke Netflix, daß ihr euch so furchtlos und unbeirrt für die gerechte Sache einsetzt und beispielhaft aufzeigt, wie bunt und schillernd und divers unsere Gesellschaft sein könnte. Lange habe ich mich dieser Erkenntnis verschlossen, aber ihr habt mit die Augen geöffnet und den Weg in eine strahlende Zukunft gewiesen. Es ist nie zu spät!
Ultima modifica del post risale al 30.05.2025 13:51.
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