Ich habe diese Woche „Black Cat“ gesehen, eine Anime-Serie aus dem Jahr 2005 basierend auf dem gleichnamigen Manga von Kentaro Yabuki. Während die Vorlage satte 20 Bände umfasst, wurde für die Verfilmung ein gestrafftes Format von 24 Episoden gewählt, wobei Folge 15 wohl als OVA produziert wurde und vom Tenor spürbar aus dem Rahmen fällt.
Handlung:Die Serie spielt in einer versatzstückten Fantasy/Scifi-Welt basierend auf der unsrigen. Train Heartnet ist Auftragskiller. Er trägt die Nummer XIII als Erkennungszeichen und ist bei einer Organisation namens Chronos. Die regeln mal eben ein Drittel der Weltwirtschaft, sind also alles andere als ein kleiner Schützenverein. Train bekommt Skrupel, als er sich bei einem Auftrag weigert, die biologische Nanobot-Waffe Eve zu töten.
Als dann auch noch Creed Diskenth, ein Mitstreiter bei Chronos, überschnappt und Trains Freundin Saya tötet, hat Train die Schnauze voll vom Killerleben, verlässt Chronos und wird ein Sweeper, ein lizensierter Kopfgeldjäger, zusammen mit seinem Partner Sven Vollfied, der Meisterdiebin Rinslet Walker und eben Eve. Und zack, haben wir unser ungleiches Trio.
Aber natürlich ist die Vergangenheit nicht fertig mit Train. Creed will, dass Train sich seiner Spezialtruppe, den „Aposteln des Planeten“ anschließt, um Chronos zu stürzen und eine Weltrevolution anzuzetteln. Ein Kampf zwischen Train und Creed endet unentschieden, beide verletzt; Drama pur!
Die Apostel legen dann schon relativ zügig nach. Bei einem Angriff auf den Weltgipfel töten sie 20 Staatsoberhäupter, und Chronos erklärt ihnen den Krieg. Train und seine Freunde sitzen zwischen den Stühlen. Wie wird dieses Abenteuer enden?
Meine Meinung:Ich wusste schon recht lange um die Serie, aber der Zeitpunkt war nid günstig, sie mal zu schauen, dann war sie irgendwann vergriffen in der Erstauflage und auch vergessen. Nun gab es auf Amazon ein paar Anime-Angebote von NipponArt für nen Keks, unter anderem eben „Black Cat“ für nur 15 Euro als Gesamtbox auf DVD. Also schlug ich zu und fing Montag Abend direkt mit den ersten paar Folgen an, ohne allzuviel zu erwarten.
Ohne mich allzu stark intellektuell zu investieren nahm mich die Serie jedenfalls schnell mit ihrem Szenario gefangen. Zu Beginn setzt sie recht düstere Akzente, wobei Sven hier stets als der eher humorvolle Anker inszeniert wurde, dessen Lustigkeit nach und nach auf die anderen eher schwermütigen Figuren wie Eve und Train abzuperlen beginnt.
In einigen Rezensionen auf Amazon oder auch hier wurde beschrieben, dass Train ab seinem Ausstieg bei Chronos um Folge 8 herum eine „komplette Wesensveränderung vollziehen“ und „zum kompletten Trottel mutieren“ würde. Das kann ich so nicht unterschreiben. - Ich habe es so wahrgenommen, dass er im Radius von Chronos extrem unglücklich war und deswegen aus dem Verein ausstieg. Seine Freundschaft mit Sven und Eve ließ ihn dann locker durch die Hose atmen, so dass der Figur erlaubt wurde, ihren Stock aus dem Allerwertesten zu ziehen. Denn bei späteren Begegnungen mit den Chronos Numbers, Creed und seinen Aposteln oder auch im dramatischen Finale switched Train wieder in seinen ernsten Modus Operandi aus den ersten 7 Folgen zurück, statt sich bis zum Ende durchzualbern, wie einige Rezensenten behaupteten. - Insgesamt wird aber eine Mischung aus Dramatik und Humor präsentiert, die mir sehr viel Spass gemacht hat.
Und auch wenn ich die Serie zu keiner Sekunde langweilig, sondern im Gegenteil sehr unterhaltsam fand, habe ich schon gemerkt, dass Figuren, Situationen, Designs und Story-Elemente eine Versatzstückelung anderer Franchises waren. Das Charakterdesign beispielsweise erinnerte mich stark an „Get Backers“. Vor allem Sven könnte fast 1:1 durch die Serien spazieren und es würde nicht auffallen. Was die Story angeht, musste ich stellenweise oft an das Videospiel „Final Fantasy VII“ denken, an anderen Stellen auch an „Star Wars“… wer es gesehen hat, weiss vielleicht, was ich meine. Dies ist keine Kritik, sondern lediglich eine Feststellung.
Als größten Kritikpunkt muss ich aber benennen, dass die Serie trotz allen Lobs, offenbar sehr viele Abkürzungen wählt. Und das ist leider spürbar. Zwar kenne ich die Manga-Vorlage nicht, habe aber nachgelesen, dass der Handlungsrahmen eingehalten wird. Und es ist sichtbar, dass wirklich unzählige cool aussehende Figuren mit eigenen Features teilweise sehr kurz auftauchen ohne dass im Detail auf sie eingegangen wird. Teilweise wirkt die Serie dadurch in ihren 24 Folgen sehr gehetzt, bietet keine Atempause und am Ende hatte ich das Gefühl, dass manches nicht richtig auserzählt wurde. Und ich bin kein Fan des Überziehens. Zum Beispiel finde ich, dass „Inu Yasha“ mindestens 100 Folgen zu lang war. „Black Cat“ hingegen hätte mindestens die doppelte Episodenanzahl vertragen und wäre dann immer noch kurzweilig gewesen.
Auf der technischen Seite habe ich wenig zu meckern. Die Serie ist auf visueller und musikalischer Ebene guter Durchschnitt. Die Hintergründe der Sets sind vielfältig gestaltet und von Hand koloriert. Lediglich dle Figuren auf den Cels sind sichtbar digital koloriert, aber das war 2005 bereits Standard. Animationstechnisch hatte ausgerechnet Studio Gonzo auch in den Jahren davon handwerklich versiertere Werke abgeliefert und darum zählt „Black Cat“ nicht unbedingt zu ihren bis dahin besten Arbeiten. In den ruhigen Szenen sind sehr viele Standbilder zu sehen, während die Action-Szenen hingegen so rasant inszeniert sind, dass ich Angst hatte zu blinzeln, da ich sie bisschen unübersichtlich empfand.
Fazit:Am Ende hat mich „Black Cat“ richtig gepackt. Die Serie ist kurz, rasant und voller Action, aber auch mit Humor und etwas Herz. Train, Sven und Eve funktionieren super als ungleiches Trio, Creed als fanatischer Antagonist und selbst wenn manche Figuren nur kurz auftauchen, macht es Spaß, ihnen zu folgen. Ja, die Story ist bisschen gehetzt und hätte ruhig ein paar Episoden mehr vertragen können, aber das Tempo sorgt dafür, dass es nie langweilig wird. Für mich ist „Black Cat“ ein kurzweiliger, unterhaltsamer Anime, den ich jederzeit wieder einschalten würdel.
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