
SabriSonneEditore
#1Als ich „Last Twilight“ angefangen habe, hatte ich tatsächlich schnell das Gefühl, dass es für mich eine 10 von 10 werden könnte. Doch dann gab es doch ein paar Fehler zu viel …
Zur Handlung
So dramatisch wie meine Einleitung war es dann final natürlich doch nicht, sonst hätte die Serie nicht die gute Bewertung von mir bekommen, die sie nun mal hat. Denn die Idee und die Ambitionen sind wirklich mehr als sehenswert.
„Last Twilight“ erzählt mit einer Romanze zwischen einem Bad Boy und einem fast Blinden nicht nur eine sehr außergewöhnliche Geschichte, sondern versucht wiederholt diese auch noch mit vielen Metaphern zu untermalen, und so in die Meta-Ebene vorzudringen. Insgesamt funktioniert das auch sehr gut.
Die offensichtlichste Metapher ist sicherlich, dass es sich beim Titel „Last Twilight“ um ein real existierendes Buch handelt, das von unseren beiden Protagonisten im Verlauf der Handlung immer wieder gelesen wird. So spiegelt die Handlung des Buchs sehr gekonnt die Handlung der Serie wieder und ergänzt sie sehr schön auf emotionale Weise. Die Figur im Buch erlebt ähnliche Höhen und Tiefen wie unser fast blinder Hauptcharakter und unterstreicht damit den Augenmerk auf den emotionalen Part sehr gut.
Doch hier zeichnet sich schon das erste logische Problem ab: Day wollte das Buch unbedingt haben, wächst auf der Suche danach sogar charakterlich über sich hinaus – nur um dann das Buch über Wochen hinweg zu lesen?! Es gab eine solche Dringlichkeit, das Buch zu Beginn zu finden, und dann will man mir erzählen, dass Day keinen Drang hat, dieses sofort lesen zu wollen?
Die Begründung liegt sicherlich darin, dass man die Vernetzung zwischen Buch und Serienhandlung erzeugen wollte. Man liest immer das nächste Kapitel, wenn auch in der Serie das nächste Kapitel der Beziehung abgeschlossen ist. Vom Grundgedanken absolut gut und emotional funktioniert das Ganze auch, aber logisch betrachtet macht es absolut keinen Sinn.
Dennoch kann gerade die Romanze auf ganzer Linie überzeugen. „Last Twilight“ liefert als Liebesdrama wirklich hervorragend ab und hat trotz einem gewissen Slow-Burn ein gutes Pacing und Tempo. Die Szenenabfolge ist logisch, auch der Gesamtaufbau der Romanze, wodurch sie sich zu keinen Zeitpunkt gezwungen anfühlt und fließend ineinander übergeht. Mein persönliches Highlight kam dann in Folge 9, die man emotionaler nicht hätte abschließen können.
Größter Pluspunkt dieser Romanze ist sicherlich die Charakterkonstellation mit Bad Boy und einem fast Blinden. Obwohl damit das Grundthema sehr offensichtlich wird und man dementsprechend auf inhaltlich nicht überrascht wird, fühlt sich die Romanze doch deutlich anders an als in anderen Serien. Day lernt Mhok nicht über seine Optik kennen, sondern über seine Charaktereigenschaften. Ebenso bekommt er einige Szenen, die Mhok betreffen und sein Verhalten betreffen, nicht mit, wodurch ihm immer wieder gewisse Informationen fehlen. So verliebt er sich in eine Mischung aus Charaktereigenschaften und Phantasie-Bild, was sehr interessant ist. Ebenso ist interessant, dass Mhok dieses Phantasie-Bild aufrecht zu erhalten versucht, weil er genau weiß, dass er charakterlich eben nicht so perfekt ist, wie Day es sich ausmalt. Das gibt der Romanze eine Besonderheit, die man in anderen Serien sucht, und die sie auch deutlich von anderen BLs ab.
In der Romanze selbst übernimmt Mhok den Teil des Protagonisten, da dieser mit dem Zuschauer zusammen die Beeinträchtigung und Grenzen, aber auch die Chancen von Day gemeinsam erforscht. Ich fand diese Mischung aus Grenzen und Chancen insgesamt sehr gelungen, was immer wieder einen angenehmen Wechsel zwischen Dramatik und Euphorie zur Folge hatte. Somit wirken die kleinen Erfolge, aber auch die Rückschläge stärker im Kontrast zueinander. Dieser Kontrast bringt auch die Charaktere enger zusammen, sodass die Romanze flüssig läuft.
Viele Szenen sowohl in als auch außerhalb der Romanze empfand ich als sehr sehenswert und interessant, da man so etwas in anderen Serien kaum sieht. Sämtliche Hindernisse waren gut gewählt und teilweise bewusst „einfach“, um den Kontrast zu unserem Verständnis der Selbstverständlichkeit im Vergleich zu Days Beeinträchtigung sehr gut darzustellen. Als Zuschauer macht man sich bei vielen Szenen keinen Kopf, doch mit Day erlebt man Alltagssituationen anders, was diese plötzlich sehr spannend macht. Hier funktioniert auch Mhok als Hauptcharakter sehr gut, der sich in der gleichen Rolle wie der Zuschauer wieder findet und gewisse Alltagssituationen erst neu erleben muss.
Leider endet die Serie nicht so zielsicher, wie man es erwartet hatte, da man hier leider das Phantasie-Bild, das Day von Mhok hat, leider nicht wirklich in der Realität testet.
Ich war sehr gespannt, wie sich die Romanze entwickelt, wenn Day wieder sehen kann. Da wir hier einen Thai-BL vor uns haben, zweifelt man zu keinem Moment an, dass es zu einem Happy End kommt. Nur leider war es eine der letzten Szenen der Serie, sodass man kaum Zeit hat, hieraus noch ein Hindernis für die Liebe zu formulieren. Sicherlich kann man dies auch als Bestärkung der Romanze betrachten, die auch dann noch funktioniert, obwohl Day Mhok nun sehen kann, doch leider schreibt man am Ende ein anderes und wirklich so unnötiges Hindernis für die Romanze hinein, dass man sich doch fragt, warum man nicht das Offensichtliche hätte nehmen können. Hätte man Day zweifeln lassen, nachdem dieser nun Mhok sehen kann, hätte man einen logischen Konflikt, der sich einfach aus der Tatsache ergeben hätte. So aber konstruiert man am Ende einen künstlichen Konflikt, der wirklich stört und inhaltlich unlogisch und unsympathisch daher kommt. Hier verschenkt man nicht nur eine gute Chance, sondern leider auch viel Emotion.
Wo man leider ebenso viel verschenkt sind die Charaktere und deren Storys außerhalb des Main Couples. Hier verbergen sich nämlich auch sehr tiefgründige Geschichten, nur leider gibt man diesen trotz der 60min Folgen keine wirkliche Screentime. Angefangen mit Mhoks Freundin Phojai, die sich schwanger von ihrem untreuen Verlobten trennt. Eine harte Situation, doch man sieht sie nur ein einziges Mal wirklich mit sich selbst ringen. Danach läuft alles wie am Schnürchen und lässt somit viele alltägliche Sorgen und Probleme auf der Strecke, die man wirklich hätte ausführen können. „Last Twilight“ gibt mit seinem Main Couple eigentlich den Raum dafür und spricht hier schon schwierige Themen an, und da verwundert es schon, dass man solche Nebengeschichten mit viel Potential liegen lässt. Auch ihre spätere Romanze hat so wenig Screentime, dass sie beinahe wie aus dem Nichts geflogen kommt. Gerade mit der Tatsache, dass sie von einem anderen Mann schwanger ist, hätte man deutlich mehr beleuchten und dramatisieren müssen.
Ebenso verschenkt man auch viel bei Days ebenfalls blinden Kumpel On. Dieser bildet zwar Charakterlich eine wertvolle Stütze für Day und seine Blindheit, fällt dann aber mit seiner eigenen Romanze mit einer sehenden Frau ziemlich ab. Auch hier hätte man mehr ins Detail gehen können und müssen, da sich beide über Tinder kennen lernen und damit das Handicap im heutigen Online-Dating-Zeitalter besser thematisieren können.
Was man dann jedoch leider total in den Sand setzt ist die Rolle von August als Love-Interest von Day. Und das ist sehr schade, läuft doch das sonst immer so nervige Love-Triangle doch sehr flüssig und logisch und bringt auch charakterlichen Tiefgang und Entwicklung. Nur leider entscheidet man dann nach dem Scheitern dieser Beziehung, August einfach aus der Serie zu schreiben, indem man ihn schlicht und einfach ins Ausland versetzt – von Jetzt auf Gleich wohl bemerkt! Das hätte man definitiv eleganter lösen müssen. So bleibt nämlich das Gefühl, dass August lediglich ein Plotdevice war, das man nach Erfüllung seiner Rolle einfach nicht mehr braucht.
Denn August hat als Charakter die wichtige Rolle, den alten Teil von Days Leben darzustellen. Dies gelingt in der Serie sehr gut. Dementsprechend ist es sehr enttäuschend, wie mit ihm am Ende umgegangen wird.
Zu den Charakteren
„Last Twilight“ ist definitiv eine character-driven Storyline, bei der viel von Charakterzeichnung und entsprechenden Situationen abhängt. Insgesamt bin ich hierbei sehr zufrieden, mit dem was man vorgesetzt bekommt.
Zum ersten funktionieren Day und Mhok charakterlich einzeln sowie im Zusammenspiel hervorragend. Obwohl bei unterschiedlicher nicht sein können, haben beide die gleiche emotionale Grundlage: Day fühlt sich ausgegrenzt, weil er sich ununterbrochen aufgrund seiner Behinderung beobachtet fühlt und ihm seine eigene Phantasie böse Blicke vorgaukelt, während Mhok zu Beginn mit seiner elektronischen Fußfessel und nach einem Jahr Knast diese Ausgrenzung tatsächlich spürt. Somit sind sich beide ähnlicher, als sie sich selbst eingestehen, was zu einer schönen und nachvollziehbaren Charakterentwicklung führt.
Die Charakterentwicklung insgesamt ist dann auch der Faktor, der einem vor dem Bildschirm hält und mit den Charakteren mitfühlen lässt. Die Hindernisse, die beide überwinden müssen, sowohl einzeln als auch als Team, sind realistisch und gut gewählt und sind nicht immer leichtgängig, was auch immer wieder zur Rückentwicklung führt. Das gibt der Geschichte eine gewisse Spannung, ohne aber die Grundstimmung zu verändern.
Wie gesagt hätte man aus den Nebencharakteren und Freunden deutlich mehr machen können als bloße Plotdevices, um die Handlung voran zu bringen. Hier verschenkt man einiges. Auch die Figur der Mutter wird zum Ende hin doch sehr unsympathisch, was nicht nur handlungstechnisch unlogisch war.
Dafür kommt man schauspielerisch doch sehr auf seine Kosten. Ich kannte von den Darstellern bisher noch keinen, bzw. nur aus dem einen oder anderen Trailer, und war insgesamt sehr positiv überrascht. Obwohl Sea in seiner Darstellung als Day doch manchmal zu sehr in eine Art autistische Darstellung abdriftet, muss ich zugeben, dass das bisher die beste Darstellung eines Blinden war, die ich bis dato gesehen habe. Es ist immer knifflig, wenn ein sehender Darsteller eine blinde Person verkörpern muss, da doch oft viel zu häufig auf optische Signale unbewusst reagiert wird, doch Sea unterdrückt hier wirklich sehr stark seine Reflexe und spielt sehr überzeugend. Und auch Jimmy in seiner Rolle als Mhok schafft die Rolle als „Bad Boy with a Heart of Gold“ perfekt. Auch der Rest des Casts überzeugt in den jeweiligen Rollen.
Fazit
Obwohl „Last Twilight“ viele doch ethisch schwierige Themen verschenkt und die oder andere Entscheidung in der Handlung schlichtweg schlecht ist, ist die Serie definitiv ein anderer BL, der unglaublich viel richtig macht und v.a. in der Emotionalität der Romanze massiv punkten kann. Die Darsteller funktionieren in ihren Rollen perfekt und tragen zu einem tollen Gesamterlebnis bei.

Rezensionen – Last Twilight: Phap Nai Maikhoei Luem
