Im Grunde genommen ist »Sky Girls« der typische "Chips und Bier"-Anime. Nicht übermäßig oder gar unangenehm originell, solide umgesetzt mit tragfähiger Prämisse und – das wichtigste! – hochsympathisch. Immer wieder wird der Vergleich gezogen, vor allem bei den Textbeiträgen zur
OVA, mit dem unverwüstlichen »
Strike Witches«, das allerdings ein sattes Jahr später erschienen ist. Man kann also anerkennend konstatieren, daß es den Kampfhexen gelungen ist, die wesentlichen Kernpunkte von »Sky Girls« erfolgreich zu kopieren und mit gefälligem Edeltrash anzureichern. Zwar geht es bei den Sky Girls stellenweise auch etwas fanservicemäßig zu und die Themen Oberweite und Körbchengröße ziehen sich wie ein roter Faden durch die komplette Serie, und doch hat man das Gefühl, man traute sich nicht, die letzte Hemmschwelle zu überschreiten und hätte das alles nur den Otakus wegen eingebaut, damit die zwei Dutzend Folgen lang auch bitteschön am Ball bleiben. Denn da, wo »Strike Witches« in die Vollen geht mit Katzenöhrchen und Hundeschwänzchen, wird bei den Sky Girls der
shippo nur symbolisch angedeutet.
Man vertraut im wesentlichen auf das Erfolgsrezept "Girls with Guns", bei natürlich möglichst leichter, möglichst eng anliegender Bekleidung. Niedliche Mädchen und kantige Kerle. Plus möglichst bescheuerter Plot. Denn daß die schärfste(!) Waffe im Kampf gegen die Biester kleine Mädchen im
gebärkampffähigen Alter sein sollen, stimmt schon etwas bedenklich. Wird aber vom Charakter der Mädchen selber schnell beiseite gewischt, denn man nimmt sich die nötige Zeit, um deren Persönlichkeit und ihre individuellen Hintergrundgeschichten dem Zuschauer nahezubringen. Wie als billige Ausrede und narratives Alibi serviert man eine semiseriöse und nicht wirklich wasserdicht fundierte, hochtechnologische Begründung, warum die Mädels halbnackt rumlaufen müssen, um in ihren Mechas kämpfen zu können. Wegen Schutzschicht und so, also zur eigenen Sicherheit.
Dann betritt zur Hälfte der Serie die
Quotenzicke die Bühne. Eine eher billige Asuka-Kopie und die Verkörperung dessen, was sich die Japaner unter "typisch deutsch" vorstellen. Zur Dramaturgie gehört natürlich auch, daß die Biester immer in ungünstigen Momenten angreifen. Was ein ungünstiger Moment ist, entscheidet dabei die Regie. Da man auch einiges an Slice of Life einbaut mitsamt den entsprechenden Unternehmungen (Onsen!), bieten solche Angriffe die schöne Gelegenheit, dem allgemeinen Verdacht "Fillerfolge" entgegenzusteuern. Nebenbei thematisiert man die typischen Werte der japanischen Gesellschaft. Das, was tief in der japanischen DNA verwurzelt ist. Also Dinge wie Teamwork, Ganbatte, psychische Probleme, die durch noch mehr Ganbatte gelöst werden, gesellschaftlicher Nutzen (wozu extra eine Naturkatastrophe initiiert wird, bei der die Girls hilfreich und medienwirksam einspringen können), aber auch so eminent wichtige Themen wie Brustumfang, falls ich das noch nicht erwähnt habe.
Das Finale baut epische Endkampfstimmung auf, und dann, wenn man den letzten und entscheidenden Twist erwartet, ist plötzlich alles vorbei. Was auch daran liegt, daß das Kampfgeschehen gern seiner ganz eigenen und manchmal schwer durchschaubaren Logik folgt.
Eine weitere Parallele zu »Strike Witches« findet sich in der Inszenierung der sehr tropenlastigen Schlachtengemälde, untermalt von markigen
battle tunes mit leichtem Ironie-Touch. Wenn man »Saki« kennt, bekommt man eine ziemlich genau Vorstellung davon. Im übrigen spielt die erste Hälfte der Serie auf einer Militärbasis, die sich in der Nähe von Yokosuka
[WP] befindet: der Ort, aus dem Yoshika Miyafuji, die pazifistische Heldin aus »Strike Witches«, stammt.
Ultima modifica del post risale al 22.10.2025 22:53.